Krach auf'm Dach

Die Arbeiten an der St.-Dionysius-Kirche in Nordwalde gehen voran.

Ins Sicherungsseil gefallen oder gar vom Dach gestürzt ist Zimmermeister Hubert Brockötter nach eigener Aussage noch nie. Und dennoch achten er und sein Kollege Jörg Sechelmann penibel darauf, dass sie genau wie Bergsteiger immer korrekt angeseilt sind. Nicht nur, weil das Hauptschiff der St.-Dionysius-Kirche eine stattliche Höhe hat und weil die Berufsgenossenschaft es so will, "sondern weil man sich darauf verlassen kann", sagt Firmeninhaber Franz-Josef Huckenbeck. Und mit diesem Gefühl von Sicherheit lasse es sich einfach besser arbeiten. Zimmerleute, Dachdecker und Klempner sind so etwas wie die Akrobaten auf dem Bau. Seit sie wieder an der St.-Dionysius-Kirche arbeiten, um den letzten Abschnitt der Außensanierung über die Bühne zu bringen, ist das Klopfen und Hämmern im ganzen Dorf zu hören. Kein Wunder bei dem Resonanzkörper, auf dem die Handwerker da mitten im Ort herumturnen und arbeiten. Immer wieder leiben unten Passanten stehen und schauen den Männer zu, die in luftiger Höhe ihr Tagewerk verrichten. Allerdings gibt es auch Zwangspausen - immer wenn gerade eine Messe gefeiert wird.
Die aktuellen Arbeiten sind der Schlusspunkt der Sanierung des Gotteshauses, die sich - zunächst innen, später außen - seit Jahren hinzieht. Nach Chor und Turmhelm bekommt jetzt auch das Hauptschiff eine neue Eindeckung aus hochwertigem Moselschiefer. Im Mai soll die Südseite fertig werden, die Nordseite im Laufe des Septembers. „So ein Dach kann 80 bis 100 Jahre halten", hofft Architekt Andreas Holtfrerich, dass die Gemeinde dann vorerst Ruhe hat.
Damit das auch so kommt, überlassen die Handwerker nichts dem Zufall. Morsche oder vom Holzbock zerfressene Balken wurden bereits ausgetauscht, die alte Eichenschalung wird mit einer neuen Schicht aus Weichholz „überbeerdigt", obendrauf kommt noch eine Lage Teerpappe - und erst dann der Schiefer. Zwar werden die grauen Steinplatten so verlegt, dass die Pappe eigentlich gar nicht nötig wäre, doch ein Problem gibt es: „Zwischen dem Aufbringen der neuen Schalung und des neuen Schiefers können mehrere Tage vergehen. Bei Regen würden die Bretter in dieser Zeit richtig nass werden", erläutert Huckenbeck.

Die Zimmerleute aus Greven und die Dachdecker des Unternehmens Prange aus dem sauerländischem Brilon sind nicht nur ein eingespieltes Team, sondern haben auch Erfahrung mit historischen Bauten. Gemeinsam haben sie bereits an der Restaurierung von Schloss Anholt bei Isselburg und Haus Geist bei Oelde mitgewirkt.

Wenn man sieht, mit welcher Routine sich die Handwerker auf dem Dach bewegen, wie jeder Schritt sitzt und die Männer auch auf engstem Raum aneinander vorbeikommen, dann könnte man glatt meinen, da wären echte Alpinisten oder Bergfexe am Werk. Einen Unterschied gibt es jedoch. Franz-Josef Huckenbeck kennt ihn: „Anders als der Bayer fängt der Westfale nicht an zu jodeln, sondern ruft nach Mama, wenn etwas schief geht."

Quelle: Westfälische Nachrichten (Text und Fotos: Michael Schwakenberg)

 

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